“Ich muss mich einfach und kurz fassen, ohne Wichtiges wegzulassen”

Wenig Platz, komplexe Inhalte, unterschiedlichste Nutzerbedürfnisse:  Désirée Hofmann ist Technical Writer beim Hosting-Anbieter Hostpoint. Sie beschäftigt sich täglich damit, technische Produkte einfach nutzbar zu machen. Wie es ihr gelingt und wie ihr UX-Writing dabei hilft, erzählt sie im Interview.

„Menschen erleben digitale Produkte nicht neutral: Sie freuen sich, sind gestresst, unsicher oder frustriert. Darauf muss Sprache eingehen.”

Désirée Hofmann, Technical Writer, Hostpoint

Désirée, erzähl doch kurz: Was machst du beruflich?

Ich arbeite als Technical Writer beim Internetservice- und Hosting-Anbieter Hostpoint. Ich bin der Abteilung Marketing und Kommunikation zugeordnet. Dadurch arbeite ich nicht nur an technischer Dokumentation, sondern auch an allgemeinen Kommunikationsthemen wie Newslettern, Mailings oder Website-Inhalten. Außerdem erstelle ich auch Texte für das User Interface digitaler Produkte. 

An welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Ein größeres Projekt ist aktuell die Migration unseres bestehenden Kundenportals auf eine neue Technologie. Dabei prüfen und überarbeiten wir sämtliche Texte im Portal. Involviert sind auch Product Owner, Entwicklung und Design.

Auf welche Herausforderungen stößt du dabei?

Die wohl größte Herausforderung sind die vielen technischen Fachbegriffe, die wir so „übersetzen” müssen, dass sie für Nutzende verständlich sind.

Gleichzeitig ist im Kundenportal oft wenig Platz für Text vorhanden. Deshalb ist es so wichtig, komplexe Inhalte möglichst einfach und mit wenigen Worten zu erklären.

„Im Kundenportal ist oft wenig Platz für Text vorhanden.”

Du bist auch bei der Entwicklung neuer Produkte involviert, richtig?

Genau. Ich begleite auch die Entwicklung neuer Produkte und Features. Dort arbeite ich zusätzlich eng mit Management, Projektleitung und Support zusammen.

Du hast also eine echte Schnittstellenrolle.

Ja, absolut. Das macht die Arbeit auch so spannend. Es bringt aber auch Herausforderungen mit sich, beispielsweise mit Blick auf den Prozess: Wann wird UX-Writing überhaupt involviert?

Dazu kommt die Konsistenz über verschiedene Bereiche hinweg. Wenn viele Teams an einem Produkt arbeiten, entstehen schnell unterschiedliche Formulierungen oder Tonalitäten.

„Wenn viele Teams an einem Produkt arbeiten, entstehen schnell unterschiedliche Formulierungen oder Tonalitäten.”

Du hast dich im UX-Writing weitergebildet. Wieso?

Ja, ich habe die UX-Writing Masterclass gemacht.

Im Grunde geht es bei meiner Arbeit immer darum, komplexe Inhalte verständlich zu machen und Menschen möglichst schnell ans Ziel zu bringen.

UX-Writing liefert mir Instrumente, um diesem Anspruch gerecht zu werden, insbesondere bei interaktiven digitalen Produkten: Ich muss mich einfach und kurz fassen, ohne Wichtiges wegzulassen. Deshalb gehört UX-Writing für mich heute ganz selbstverständlich zur technischen Kommunikation dazu.

„UX-Writing gehört für mich heute ganz selbstverständlich zur technischen Kommunikation dazu.”

 

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Was ist im UX-Writing neu verglichen mit klassischer Technischer Kommunikation?

In der klassischen Technischen Kommunikation arbeitet man oft mit Dokumentationen neben dem Produkt. Im UX-Writing passiert Kommunikation direkt im Interface, also genau in dem Moment, in dem Nutzende handeln. 

Plakativ gesagt: Weg vom Handbuch, rein ins Interface.

Dadurch werden bei meiner Arbeit Themen wie Timing, Kontext oder Tonalität wichtiger. 

Kannst du das etwas ausführen?

Im UX-Writing überlege ich viel stärker: Was braucht eine Person genau in diesem Moment? Was muss sie erst später wissen? Ich will die kognitive Belastung gering halten und trotzdem ausreichend informieren. Um diese Fragen zu beantworten, muss ich in Journeys denken und den Nutzungskontext verstehen. 

Und während in der klassischen Technischen Kommunikation lange Neutralität und Sachlichkeit im Zentrum standen, ist Sprache im UI auch ein emotionaler Begleiter. Menschen erleben digitale Produkte nicht neutral: Sie freuen sich, sind gestresst, unsicher oder frustriert. Darauf muss Sprache eingehen.

Gleichzeitig steht Klarheit aber über allem. Deshalb bringen Technical Writer auch so viel für UX-Writing mit. Komplexe Inhalte verständlich und präzise zu erklären ist unser Kerngeschäft.

„Menschen erleben digitale Produkte nicht neutral: Sie freuen sich, sind gestresst, unsicher oder frustriert. Darauf muss Sprache eingehen.”

Welche Herausforderungen wolltest du mit der UX-Writing Masterclass angehen?

Eigentlich alle vorher erwähnten. Ich wollte lernen, wie ich komplexe Inhalte verständlich und mit wenigen Worten formulieren kann, um Menschen reibungslos durch digitale Prozesse zu führen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich Barrierefreiheit. Ich wollte besser verstehen, wie man Texte so gestaltet, dass möglichst viele Menschen digitale Produkte einfach nutzen können.

Was hast du aus der Masterclass besonders mitgenommen?

Dass ich mich für gutes UX-Writing nicht nur auf mein Bauchgefühl verlassen muss. Methoden wie Empathy Maps oder Journey Mapping helfen mir heute, Anforderungen und Nutzerbedürfnisse bewusster zu analysieren.

Auch Themen wie Barrierefreiheit, Conversational Writing oder Brand Voice nehme ich jetzt deutlich bewusster wahr.

Gibt es etwas, das du heute anders machst als früher?

Ich sehe UX-Writing heute viel stärker als zentraler Bestandteil der Produktentwicklung. Gute UX-Texte tragen direkt zu einem besseren Kundenerlebnis bei und reduzieren den Supportaufwand. 

Für mich persönlich bedeutet das: UX-Writing darf durchaus mehr meiner Zeit beanspruchen – es lohnt sich für die Kundschaft und das Unternehmen.

Danke, Désirée!

 

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